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Von Fahrrädern, Zelten und Gammelfisch: Geocaching-Abenteuer auf zwei Rädern

· Benjamin Gorentschitz
Von Fahrrädern, Zelten und Gammelfisch: Geocaching-Abenteuer auf zwei Rädern

Manchmal muss man einfach loslegen. Rucksack packen, Fahrrad rausholen, GPS einschalten – und irgendwo zwischen Feldweg und Flussufer merkt man, dass die Kombination aus Fahrrad Geocaching und Campingzelt eine der besten Ideen ist, die man je hatte. Oder eine der verrücktesten. Das hängt vom Wetter ab.

Die Idee kam beim dritten Kaffee

Es begann, wie viele meiner Pläne beginnen: mit einer Karte, einem Becher Kaffee und dem vagen Gefühl, dass die nächste freie Woche nicht einfach so verpuffen darf. Die Route stand schnell fest – irgendwo entlang eines Radwegs, mit möglichst vielen Caches auf dem Weg und einem Zeltplatz am Ende des Tages. Klingt simpel. Ist es auch. Zumindest in der Theorie.

Für die Routenplanung habe ich wie immer zuerst geschaut, wo die Cache-Dichte hoch ist und die Radwege vernünftig ausgebaut sind. Komoot hat mir dabei geholfen, eine halbwegs vernünftige Tagesetappe zu bauen, ohne dass ich nach 30 Kilometern auf einer Schotterpiste mit Gepäck steckenbleibe. Spoiler: Ich blieb trotzdem auf einer Schotterpiste stecken.

Was man wirklich mitnimmt (und was man besser lässt)

Fahrrad-Geocaching mit Übernachtung ist eine Wissenschaft für sich. Das Zelt muss kompakt sein, die Schlafsacklösung muss passen, und irgendwie muss da noch Verpflegung rein. Was man nicht mitnimmt: Kompromisse beim GPS. Mein Garmin kommt immer mit.

Was ich bei dieser Tour tatsächlich dabei hatte, in grober Reihenfolge der Priorität:

  • GPS und Backup-Akku – unverzichtbar, kein Verhandlungsspielraum
  • Leichtes Einmannzelt – schläft sich prima, wenn man nicht vergisst, die Heringe mit einzupacken
  • Schlafsack – für Frühjahrstouren reicht ein Drei-Jahreszeiten-Modell
  • Verpflegung – und hier kommen wir zum eigentlichen Kernproblem dieser Geschichte

Der Plan war: leicht, kalorienreich, praktisch. Was ich tatsächlich dabei hatte, nachdem mein Kumpel seinen Beitrag zur gemeinsamen Reiseverpflegung mitgebracht hatte: Knäckebrot, Energieriegel, einen erschreckend großen Block Harzer Käse und – ich schwöre, das ist wahr – vakuumverpackten Gammelfisch irgendeiner skandinavischen Provenienz. „Das hält ewig und hat Protein", meinte er. Stimmt. Es hält auch den gesamten Fahrradtaschen-Inhalt auf Distanz.

Wenn das Fahrrad zur Cache-Maschine wird

Was Fahrrad Geocaching von der Fußtour unterscheidet: der Radius. Man kommt weit. Sehr weit. Und das ist gleichzeitig Fluch und Segen, denn zwischen zwei Caches können schon mal 15 Kilometer liegen, die man nach einem langen Tag in den Beinen spürt.

Das Schöne an solchen Mehrtagestouren ist aber, dass man in ein anderes Modus verfällt. Kein Hetzen von Cache zu Cache. Man hält an, guckt sich die Umgebung an, findet vielleicht einen unerwarteten Bonus-Cache, der gar nicht auf dem Plan stand. Mein persönliches Highlight dieser Tour: ein kleiner Nano-Cache an einer alten Eisenbahnbrücke, den ich nur gefunden habe, weil mir das Vorderrad fast die Böschung runter gerollt ist. Manchmal hilft es, kurz die Kontrolle zu verlieren.

Geocaching Camping: Die Abende gehören dem Logbuch

Abends am Zelt ist Geocaching Camping dann endlich das, was man sich vorstellt: Kocher an, Wasser heiß, Logbücher schreiben. Ja, richtige handgeschriebene Logbücher für die Physical Caches des Tages – und dann natürlich die digitalen Logs online stellen, sofern das Datennetz mitspielt.

Es gibt etwas Befriedigendes daran, abends im Schlafsack zu liegen, GPS-Koordinaten für den nächsten Tag im Kopf zu haben und zu wissen: morgen früh geht das Abenteuer weiter. Der Gammelfisch hat übrigens nicht überlebt. Wir haben ihn am zweiten Abend aus Verzweiflung geöffnet. Es war genau so, wie man es sich vorstellt.

Was man mitnimmt – im übertragenen Sinne

Solche Touren verändern die Art, wie man Geocaching wahrnimmt. Es geht nicht mehr nur um die Zahl der gefundenen Caches oder die D/T-Wertung. Es geht um die Stunden dazwischen. Die Landschaft, die man durchfährt. Das Gespräch am Lagerfeuer. Den unerwartet guten Espresso aus dem Aldi-Pads-Kocher, der erstaunlich gut funktioniert, wenn man ihn nicht zu hoch aufdreht.

Wer die Möglichkeit hat, probiert es aus. Einfach eine Route planen, ein paar Caches auf dem Weg markieren, das Zelt einpacken. Und vielleicht beim Verpflegungsplan das Veto gegen Gammelfisch einlegen – oder nicht. Manchmal braucht ein Abenteuer genau diesen einen absurden Detail, damit man sich später noch daran erinnert.